Ein besonderes Ausbildungsjahr

Floristen

Chrysanthemen, Calla, Cosmea... Corona. Das „C-Wort“ hat auch die Floristen hart getroffen. Das temporäre Verbot von Veranstaltungen, Einschränkungen bei Bestattungen oder Hochzeiten als auch strenge Hygieneauflagen in Blumengeschäften sind für Viele nur schwer zu ertragen. Auch bei denjenigen, die gerade erst in ihr Berufsleben starten, lief in diesem Jahr alles etwas anderes als erwartet. Für viele Auszubildende stand in diesem Frühjahr lange Zeit nicht fest, wann, wie und ob sie überhaupt ihre Prüfungen ablegen können.
Genau in diesen komplizierten Zeiten bekam der Blumenblog die Anfrage, ob es möglich wäre, die Abschlussarbeiten der Absolventen der IHK Schwaben aus dem Bereich Floristik auf diesem Blog zu veröffentlichen. „Na klar, warum nicht!“ Denn auch bei der IHK gelten strenge Social Distancing Regeln, erstmals fand die Verleihung der Zeugnisse und die Ausstellung der Abschlussarbeiten unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wo die Absolventen normalerweise ihre individuellen künstlerischen Talente zur Schau stellen und Interessierten Rede und Antwort stehen, war in diesem Jahr nur eine Dokumentation mit Fotos möglich...

Pflanzen in ihrem Wesen wahrnehmen

In der Prüfung sollten die Auszubildenden zeigen, dass sie Arbeitsabläufe planen, Arbeitstechniken und Regeln der Gestaltung praxisbezogen anwenden, Kunden beraten sowie Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Natur- und Umweltschutz berücksichtigen können. Der erste Teil der Prüfung bestand aus einer komplexen theoretischen Aufgabe einschließlich eines Beratungsgespräches. Ein weiterer Teil aus drei Arbeitsproben, die in maximal zwei Stunden hergestellt werden mussten. In diesem Jahr sollten die Prüflinge einen Strauß binden, eine Gefäßfüllung stecken sowie ein weiteres Gefäß bepflanzen.

Bei den Werkstücken waren ein fundiertes Verständnis über das 'Material' Blume sowie ein Gefühl für Formen, Farben und Bedeutung der floristischen Komponenten nötig. Die Arbeit als Florist erfordert viel Kreativität! Nur wer das versteht, weiß um die Herausforderung, die sich die angehenden Floristen im Rahmen dieser Abschlussprüfung gestellt haben. Nicht nur das Farbenspiel war für die Note entscheidend, einen kritischen Blick warfen die Prüfer auch auf die Steckanordnung der Pflanzen. „Früher wurden Pflanzen in einem Mittelpunkt gebündelt“, erklärte Rainer von Suttner, Lehrer an der Berufsschule in Kempten und seit 42 Jahren Prüfer. „Heute dagegen besitzt eine Schale zahlreiche so genannter Wachstumspunkte.“ Umso mehr komme es auf das Arrangement an: „Die einzelne Pflanze soll in ihrem Wesen wahrgenommen werden, als Individuum wirken.“ Was, wie er betonte, den Teilnehmern durch die Bank gut gelungen ist.

Die Prüfer attestierten den Absolventen der IHK Schwaben ein hohes Niveau, wiesen allerdings auch auf Herausforderungen der Branche hin. Denn die Zahl der Auszubildenden in der Floristik ist auch bei der IHK Schwaben rückläufig. Nur 13 Prüflinge, ausschließlich junge Frauen, wurden im Juli 2020 verabschiedet. Entsprechend schwer ist es aktuell auch für etablierte Betriebe, Nachwuchs und Fachkräfte zu finden. Nicht nur die zunehmende Konkurrenz von günstigen Blumen aus dem Supermarkt und das damit einhergehende fehlende Bewusstsein für den materiellen Wert des Produktes Blume sondern auch die schwindende fachliche Wertschätzung des kulturell tief in unserer Gesellschaft verankerten Berufes Florist/in macht es der gesamten Branche schwer.

Doch den Kopf in den Sand stecken möchte die Floristik nicht, ganz im Gegenteil, den Absolventen wurde im Rahmen ihrer Verabschiedung auch Mut gemacht: „Wir müssen mehr denn je auf Gestaltung Wert legen“, sagte von Suttner. Gestaltung, die sich unterscheidet, die dem Kunden einen Mehrwert bietet. Und dazu den Mut haben, auch den entsprechenden Preis zu verlangen. Wichtig dabei: die Beziehung zum Kunden, das individuelle Eingehen auf dessen Bedürfnisse, verständnisvolle Beratung. „Wenn Werkstücke das Herz der Menschen erreichen, ist mir nicht bange“, ergänzte Christian Munz, Leiter des Fachbereichs Ausbildungsprüfungen der IHK Schwaben. Auch in Zukunft werden Blumen wichtige Wegmarken im Leben der Menschen zieren. So gesehen sei die Floristik, wie er gegenüber den Absolventen resümierte, „ein Kultur- und kulturerhaltender Beruf“.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der IHK Schwaben. Bild- und Textmaterial wurden uns hierfür zur Verfügung gestellt. Leider können nicht alle Werkstücke der Abschlussprüfung an dieser Stelle aufgeführt werden, wir zeigen daher nur eine kleine Auswahl. Weitere Informationen zum Ausbildungsberuf Florist/in bei der IHK Schwaben findest du hier...