Eva Alberter- Gestalterin für Blumenkunst

Floristen

Mit 16 Jahren kehrte Eva ihrem Heimatort Eichstätt in Oberbayern den Rücken zu und zog nach München, um hier eine duale Ausbildung an der Berufsschule für Gartenbau und Floristik zu beginnen. Klar, dass sie am Anfang noch in einem wohlbehüteten Mädchenwohnheim lebte. Nach der Gesellenprüfung arbeitete Eva dann zwei Jahre in Blumengeschäften, bevor sie ihren Meister an der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst in Weihenstephan machte. Obwohl Eva anschließend auch in Holland und Österreich gearbeitet hat, ist sie München treu geblieben und lebt inzwischen natürlich nicht mehr im Mädchenwohnheim, sondern mit ihrem Freund im Westend. Aber wir wollten noch mehr wissen...

Was machst Du gerade?
Seit kurzem arbeite ich als freiberufliche Floristin. Das bedeutet, ich werde für verschiedene Arbeiten, zum Beispiel im Blumenladen, zu Hochzeiten oder Messen gebucht.

Sich als Floristin selbstständig zu machen, das stelle ich mir schwierig vor. Wie kam es zu dem Entschluss?
Zuletzt habe ich für eine Firma in der Qualitätsprüfung und Planung von einem Online-Blumenversand gearbeitet. Die Abläufe – Massenabfertigung von Blumen, Wägen voller Vasen in Putzmaschinen schieben und Sträuße binden im Rekord – das war schon wirklich interessant, aber auf Dauer nichts für mich. Ich wollte meinen Beruf einfach wieder mehr genießen und frei sein, daher der Entschluss zur Selbstständigkeit.

In dem Moment, in dem Blumen nur noch als Massenprodukt verstanden werden, geht das sicherlich auch auf Kosten der Qualität, oder?
Ja, stimmt. Ich hatte am Ende auch richtig Angst, dass ich durch meine Tätigkeit in dieser Firma meine Kreativität verliere und verlerne, das Schöne zu sehen. Die Masse ist einfach so überwältigend und die Blumen mit denen man dort arbeitet sind von der Qualität her natürlich was ganz anderes, als man sonst gewohnt ist. Duft- oder Freilandblumen können für den Online-Versand zum Beispiel gar nicht eingesetzt werden, da sie nicht lange genug halten würden. Man bekommt einen ganz anderen Bezug zu der Ware, stumpft vielleicht ein bisschen ab. Ich war froh, als ich wieder individuell und in kleinen Formaten arbeiten konnte.

Welche Herausforderungen stellen sich Dir im Zuge der freiberuflichenTätigkeit?
Die größte Herausforderung besteht natürlich im Moment darin, dass mich die Leute überhaupt kennenlernen. Dass ich ins Gespräch komme und präsentieren kann, was ich kann...

Wie machst Du das?
Viel läuft da natürlich über Empfehlungen. Über Aufträge für Hochzeitsdekorationen von Freunden beispielsweise, oder auch ein spontanes Gespräch mit Nachbarn beim Grillen kann viel bewirken. Parallel dazu baue ich gerade meine Internetpräsenz aus und bemühe mich um schöne Fotos meiner Projekte.

Und wie kann man zeigen, was man drauf hat, wenn das Budget enorm klein ist und die Lieblingsblume des Kunden Gerbera?!
Eva (lacht): Ja ja, klar, das ist schwierig. Aber darin liegt für mich gerade auch der Reiz an meiner Tätigkeit. Es geht darum, den Kunden ein bisschen zu leiten, ihm Vorschläge für schöne Arrangements zu machen, Alternativen zu bieten – im Falle von Gerbera zum Beispiel Dahlien. Am wichtigsten ist da das Vertrauen. Viele Kunden wissen ja oft auch gar nicht, welche Möglichkeiten – auch mit geringem Budget – es gibt.

Wo siehst Du den Schwerpunkt deiner Tätigkeit? Lässt sich das überhaupt steuern?
Ich glaube, dass Hochzeiten am meisten gefragt sind. Wenn es um einzelne Sträuße geht, sucht man eher einen Blumenladen als eine freiberufliche Floristin auf. Aber auch Trauer oder andere große Feste, Geburtstage, Messen oder Firmenevents sind natürlich interessant für mich. Insbesondere die Trauerfloristik würde mich reizen, da es sehr anspruchsvoll ist, die Angehörigen in dieser Phase zu begleiten. Aber wirklich steuern lässt sich das zumindest momentan noch nicht.

So wie die Hochzeitsbranche zur Zeit boomt, denke ich, ist da noch viel Potenzial für gute freiberufliche Floristen.
Ja, stimmt. Interessant ist auch, dass viele Kunden inzwischen mit Bildern von Pinterest oder Ähnlichem zu einem kommen. Wenn ich dann mit ihnen über diese Arrangements spreche, sind sie oft erschrocken, wie viel diese opulenten Hochzeitsdekorationen – die auf den Bildern natürlich toll aussehen – in Wirklichkeit kosten würden. Da fehlt einfach das Verständnis für das Produkt 'Blume' und die Arbeit, die mit sehr üppigen Projekten verbunden ist.

Wie kommt das? Erkennst Du da einen allgemeinen Trend in der Floristen-Branche?
Ich habe schon von verschiedenen Blumenläden gehört, dass die Laufkundschaft zurück gegangen ist. Ich denke, die jüngere Generation erkennt nicht mehr wirklich den Wert eines Straußes und einzelner Blumen. Sie kauft vielleicht lieber Plastikblumen in einem Deko-Geschäft oder Billigware im Supermarkt. Die Älteren sind da noch eher bereit, sich Blumen in einer gewissen Preisklasse zu leisten und diese nicht nur zu einem bestimmten Anlass, sondern auch im Alltag – einfach nur als Schmuck. Ganz ehrlich: die Wenigsten von uns haben doch Blumen zu hause. Da wird im Moment einfach kein Wert drauf gelegt. Das ist sehr schade. Viele Blumenläden können daher kaum noch überleben. Man muss sich Alternativen überlegen und die Leute irgendwie anders erreichen. Der Austausch mit anderen Floristen ist da sehr wichtig. Man muss über die Probleme sprechen und sich Wege überlegen, wie wir Floristen in Zukunft arbeiten sollten. Ob ein herkömmlicher Laden überhaupt noch Sinn macht, beispielsweise, oder eine freiberufliche Tätigkeit viel sinnvoller ist...

Danke Eva, das war sehr interessant!

Eva und Karolina
Eva Alberter, Gestalterin für Blumenkunst in München
Eva und Silvia

Hier noch ein paar von Eva's Arbeiten…

Neben den Blumen ist das Backen Eva's zweite große Leidenschaft. Hier sind einige ihrer leckeren Rezepte...